Ein Plädoyer für die Milch!

Ein Beitrag von Carsten

Ein Plädoyer für die Milch!

Dr. Malte Rubach tritt mit seinem Buch „Ein Plädoyer für die Milch“ an, ein Gegengewicht zur medialen Ausschlachtung des Themas Milch zu liefern. Die Behandlung des Themas „Milch“ in den Medien ist vielfach von Effekthascherei und Quotengenerierung geprägt. Keine guten Voraussetzungen für einen sachlich kritischen Diskurs.

Deshalb ist es zu begrüßen, wenn sich jemand neutral und sachlich des Themas annimmt und die vielen diskutierten Facetten ausführlich betrachtet. Mit etwa 200 Seiten besitzt „Ein Plädoyer für die Milch“ bereits gute Voraussetzungen, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Der Erscheinungstermin Anfang 2016 sichert zudem eine aktuelle Informationsbasis.

Zum Inhalt

Der Buchinhalt ist entsprechend des Themas breit gefächert. Dr. Malte Rubach geht auf die Historie ein, auf gesundheitliche Fragen, ethische Aspekte und last but not least werden auch die ökologischen Themen behandelt. Entsprechend liest sich der kurze Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis wie folgt

  • Milch: Wie wurde die zu einem derartigen Massenprodukt?
  • Vom Bauernhof bis auf den Küchentisch - die Milchwirtschaft
  • Gesund! Ungesund! - Ja was denn nun?
  • Die ökologische Bedeutung eines Grundnahrungsmittels
  • Ein Plädoyer für die Milch

Das klingt nach einer runden Sache. Doch leider empfinde ich das Buch als unzureichend, ja sogar verzerrend und mitunter- das muss ich so brüsk äußern- manipulierend.

Trotzdem zu kurz gegriffen

Obwohl scheinbar alle wichtigen Aspekte behandelt werden, erscheint das Buch völlig unvollständig. Wesentliche Informationen fehlen oder werden per se vom Tisch gewischt. Mit seinen ca. 200 Seiten hätte das Buch das Potential gehabt, vollständiger zu informieren. So, in seiner jetzigen Form wirkt es schlussendlich einseitig, sogar vorherbestimmt. Mich beschleicht der Eindruck, dass die Botschaft des Buches bereits vor dem Schreiben fest stand: „Milch ist gut, und (weitestgehend) unproblematisch. Macht Euch keine Sorgen.“

Im Folgenden gehe ich kurz auf die wesentlichen Kritikpunkte ein, welche mir beim Lesen aufgefallen sind.

Unzureichende historische Darstellung

Da wäre zum einen die Historie des Milchkonsums. Vertraut man dem Buch, ergibt sich der Eindruck Milch wäre quasi "schon immer" Bestandteil des Speiseplans gewesen. Hier wird ein völlig falscher Eindruck suggeriert und verschwiegen, dass sich die Milch im großen Stil erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen wirklich nennenswerten Platz im Speiseplan erkämpfen musste. Und das auch ausschließlich in den Industrienationen.

Zudem fehlt mir eine Reflektion des heutigen Nahrungsmittelangebotes im Vergleich zum Angebot früherer Generationen. Es ist eine Sache, den Leser damit zu besänftigen, dass Milch „immer schon“ konsumiert wurde. Es ist aber eine andere Sache, den Umfang der Milchprodukte im allgegenwärtigen Nahrungsmittelüberfluss gar nicht ansatzweise zu betrachten. Milch ist heute in Form seiner diversen Produktarten (Trinkmilch, Käse, Molke, Pulver, etc.) in fast allen Produkten enthalten. Das war definitiv nicht „schon immer“ so.

Ethik? Wir wollen den Ball doch mal flach halten

Der größte Makel ist jedoch der Umgang mit dem ethischen Aspekt, der Tierausnutzung und Ausbeutung. Dr. Malte Rubach geht zwar darauf ein, aber sehr kurz, sehr oberflächlich und immer im Sinne eines: Tja, das ist halt so, lässt sich leider nicht vermeiden.

Tierethik und Tierrechte besitzen mittlerweile einen vordringlichen Charakter. Diese in einer "kritischen" Betrachtung derart beiseite zu schieben und abzutun ist tatsächlich selbstentlarvend, was den eigenen Anspruch an "kritischer Betrachtung" und Sachlichkeit betrifft.

Kritische Forschung? Bleib mir damit vom Leib!

Ganz obskur wird es dann aber hinsichtlich der gesundheitlichen Betrachtung. Völlig unverständlich ignoriert Dr. Malte Rubach die Milch-kritische Studienlage, indem er den Studiendurchführern und auch allen Milch-Kritikern ein wirtschaftliches Interesse vorwirft. WUSCH... werden damit alle kritischen Belege und auch alle Milch-Kritier mit einem Schlag vom Tisch gefegt. Schließlich muss in einem Diskurs sachlich und wissenschaftlich vorgegangen werden. Studien und Personen, die ein primär wirtschaftliches Interesse verfolgen, erfüllen nicht diesem wissenschaftlichen Kriterium.

An sich ist die hier angelegte Messlatte richtig und wichtig. Was stört ist die undifferenzierte Diffamierung der Milch-kritischen Informationen. Eine Pauschalablehnung kann man machen, wenn es nur wenige Informationen gäbe. Mittlerweile ist der Umfang an kritischen Informationen aber beträchtlich. Das lässt sich nicht mehr ignorieren.

Zudem erkennt Dr. Malte Rubach nicht die Scheinheiligkeit, der er sich selbst aussetzt. Fällt er doch z.B. als Gastredner auf dem Nordwestdeutschen Milchtreff 2017 selbst in jene Kategorie, die er in seinem Buch so selbstverständlich aufgrund von Befangenheit ignoriert.

Ökologische Auswirkung – einmal schönrechnen bitte

Die Behandlung der ökologischen Folgen der Milchwirtschaft fällt stark relativierend aus. Dr. Malte Rubach rechnete nach, bzw. vor und vermittelt dem Leser, dass Milchgenuss auch ökologisch im Eigentlichen kein verdammenswerter Fauxpas ist. Der Knackpunkt seiner Herleitung liegt auf der gewählten Perspektive. Die ist sehr fokussiert und lässt keinen Spielraum für eine grundlegende Perspektive, wie sie gemeinhin in anderen Büchern oder Filmen verwendet wird.

Das führt dazu, dass nicht auf grundsätzliche Themen eingegangen wird, wie…

  • Der Großteil des weltweit angebauten Getreides geht in die Nutztierverfütterung, inkl. aller damit verbundenen Schäden/Konsequenzen (Monokultur, Gentechnik, Verlust von Mutterboden, etc.)
  • Anfall irrsinniger Mengen Gülle
  • Methanausstoß
  • Lachgasausstoß
  • Verlust an Bodenqualität / Grundwasserqualität aufgrund von Überdüngung durch Gülle

Ja, in seinem strikt begrenzten Betrachtungskosmos können die negativen ökologischen Auswirkungen der Milchwirtschaft mathematisch durchaus schöngerechnet werden. Grundlegende Probleme gehören aber genauso betrachtet.

Fazit

Dr. Malte Rubach schreibt sehr eloquent, sehr intelligent und bei oberflächlicher Betrachtung durchaus schlüssig. Wer nicht oder nicht tief genug mit Milch-kritischen Informationen in Berührung gekommen ist, wird sich von diesem Schreibstil „einlullen“ lassen. Selbst ich muss zugeben, dass ich mich nach dem Buch in einer Art „Wolke des Wohlgefallens“ gefühlt habe und die Grundbotschaft „Don’t panic! Es ist alles gut! Ihr könnt weiter problemlos Milch konsumieren.“ verspürt habe.

Im Grunde genommen ist dieses Buch aber überflüssig. Leser, die im Vorfeld schon kritisch gegenüber der Milch eingestellt waren, werden nichts Überzeugendes vorfinden, was ihre kritische Sichtweise verändern wird. Und Milch-Beführworter werden weiterhin eingelullt in dieser "Alles-ist-Gut"-Rethorik Milchprodukte konsumieren.

Bleibt der fade Beigeschmack, dass MrExpert (www.mrexpert.de) seine persönliche Reputation durch eine weitere Publikation stärken wollte und sicherlich willkommenen Zuspruch der im Gegenwind befindlichen Milchbranche ernten wird.

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