Juhu es regnet! Ab auf's Rad...!

Ein Beitrag von Carsten

Aus dem Leben eines Radfahrers

Während ich heute morgen auf dem Rad saß, auf dem Weg zur Arbeit, fing es an zu regnen. Leichter Regen. Kein Thema, schließlich bin ich mit Regenjacke, Regenhose und Überschuhen hervorragend auch gegen sintflutartige Wolkenbrüche gefeit.

Aber interessanterweise erinnerte ich mich an meine Zeit als Autofahrer zurück.

Nein, nicht dass ich unser Auto zurück gesehnt hätte. Es kam bloß der Gedanke in mir hoch, dass es auch mal eine Zeit ohne Radfahrt zur Arbeit gab. Das ist jetzt gut 1 1/2 Jahre her. Mehr oder weniger genauso so lang, wie der Zeitraum seitdem meine Familie und ich vegan leben.

Obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Dass wir kein Auto mehr haben, liegt weniger an einer bewußten Kosumentscheidung, bzw. dass wir uns dagegen entschieden hätten, sondern vielmehr an einem wirtschaftlichen Totalschaden.

Der wurde uns damals während der fälligen Routine-Untersuchung seitens der Werkstatt signalisiert. Uns wurde empfohlen das notwendige Geld nicht mehr in den alten Wagen zu investieren, sondern damit lieber ein neues Auto zu finanzieren.

Glücklichweise wohnten wir damals schon in Hamburg.

Bis auf den Arbeitsweg hatten wir auch damals schon ausschließlich unsere Fahrräder oder die Öffentlichen genutzt. Es erschien uns damals schon einfacher und oft auch schneller.

Nach der Hiobsbotschaft durch unsere Werkstatt war dann der Fall klar: 2 Tage nach der beinah-Todesdiagnose freute sich der Autoverwerter (oder darf ich Aasgeier sagen!?), mir das Auto für eine unverschämt niedrige Summe abnehmen zu dürfen.

Egal! Seitdem kommen wir hervorragend ohne eigenen PKW aus, haben einen innerstädtischen Umzug vom Nord-Osten in den Süd-Westen hinbekommen, bringen unseren Sohn per Rad in den Kindergarten und ich fahre teils mit Rad, teils mit Bahn zur Arbeit.

Unsere hervorragende Wohnlage ermöglicht es uns zudem den Großteil unseres Wochenendeinkaufs sogar zu Fuß zu absolvieren. So richtig mit Hackenporsche und Umhängetasche.

Was hat das jetzt mit dem oben angedeuteten Regen zu tun?

Nun, warum ich ausgerechnet heute diese Gedanken hatte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Regen, egal in welcher Stärke, macht mir während der Fahrt auch gar nichts aus. Egal ob während der ersten 20 min zur Bahn oder auf den letzten 20 min von der Bahn zur Arbeit.

Mit guter Kleidung ist das überhaupt kein Thema. Im Gegenteil: Ich freue mich immer wieder genau diese Freiheit zu haben. An der frischen Luft zu sein, körperliche Betätigung zu bekommen und mir keine Gedanken über Parkplätze, Spritpreise, Waschanlagen, Reifenwechsel, Versicherungen, Steuern undundund machen zu müssen.

Die Option "Auto" existiert in meinen Gedanken schon gar nicht mehr.

Wetter hin oder her. Ich muss mich höchstens zwischen Rad und Bus entscheiden.

Auch wenn es keinen direkten Zusammenhang zwischem dem Wegfall unseres Autos und unserer Entscheidung vegan zu leben gibt, existiert eine gewisse Verbindung. Beides fußt auf unserer bewußten Entscheidung FÜR Etwas ganz bestimmtes, bzw. der bewußten Entscheidung GEGEN Etwas.

Im Falle des Autos haben wir uns bewußt GEGEN ein neues Auto entschieden. In beiden Fällen (Vegan leben / Verzicht auf's Auto) war der Akt des Entscheidens das Schwerste an der Sache. Nachdem diese Hürden genommen waren, war alles sehr viel einfacher, als befürchtet.

Und mittlerweile scheint die Sonne. Ich freue mich schon auf die Autofahrer, die mir heute Vormittag mit mitleidbekundenen Blicken während des Regens entgegen gekommen sind. Ihr Gesichtsausdruck wird sich erfahrungsgemäß aufgrund des hervorragenden Sommerwetters überwiegend in Neid verwandeln ;)

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