Liebe Gastronomen....

Ein Beitrag von Carsten

Vom Brunch auf dem Lande

Das war ja klar! Und ich kann mich nicht damit rausreden, nicht indirekt vorgewarnt gewesen zu sein. Wir haben ein Familienfest gefeiert. Frühstück mit anschließendem Mittagessen.

Die Gastgeberin hat extra nach Restaurants und Gaststätten Ausschau gehalten. Vegane Gerichte sollten die anbieten.

In ländlichen Gegenden ja nach wie vor eher die Ausnahme. Gerade in einem für seine Massentierhaltung bekannten Landkreis.

„Ja, wir können auch vegan.“

So oder ähnlich kam dann die Rückmeldung vom Gastronom. Partyraum gebucht, Termin fixiert, Gäste eingeladen. 4 Veganer auf der umfangreichen Gästeliste.

Zugegeben, ich bin da ja forsch und bevor ich hungere frage ich lieber konkret nach, greife also ein paar Tage vor dem Termin zum Telefonhörer und rufe direkt den Gastronom an.

Auf die Frage nach den veganen Gerichten vernahm ich ein gereiztes „Was wollen Sie jetzt eigentlich konkret wissen!!!???“, „Mich interessiert konkret, welche veganen Gerichte oder Optionen von Ihnen zur Verfügung gestellt werden.“, „Weiß ich doch nicht! Das macht der Koch. Der wurde informiert, dass 4 Veganer dabei sind und wird schon wissen was er macht!“.

Aha, damit war ja alles klar, sämtliche Unklarheiten beseitigt und das Gespräch auch schon beendet. Ich fühlte mich wirklich ernst genommen.

Am Tag X erklärte ich Stefanie, dass ich sicherheitshalber ein paar unserer selbst gemachten Aufstriche mitnehmen würde. Und das war gut so!

3 auf einen Streich

Die Inspektion des Frühstücks-Buffets war dann wenig überraschend aber dafür stark ernüchternd. Sage und schreibe 3 vegane Aufschnittvarianten und ein kleiner Brotkorb mit ein paar Scheiben Graubrot wurden auf einem Extra-Tisch gereicht; gleich neben der Freifläche, auf der die Gäste Ihre Geschenke platzieren konnten.

Auf der gegenüberliegenden Seite dann das nicht-vegane Buffet, mit reichlich Auswahl; wobei die sich auf die 4 Kategorien Käse, Wurst, Ei und Fisch (jeweils mit diversen Untersorten) begrenzte. Die mitschwingende Botschaft an die anwesenden Veganer: „Hier, esst das! Mehr gibt’s nicht!“. Mmmm lecker…

Schnell das mitgebrachte, eigene Frühstück dazu gestellt, ein paar Brötchen von „der anderen Seite“ entwendet und schwupps war der eigene Teller dann schon deutlich weniger trist gefüllt.

Die Frage der Gastgeberin, ob der Gastronom denn damit einverstanden sei, kommentierte ich lediglich mit „Ich will ja satt werden, was der davon hält ist mir erst einmal egal.“. (Meine familiäre Nähe zur Gastgeberin erlaubte mir den Verzicht auf irgendwelche einzuhaltende Etikette).

Liebe Gastronomen,

wieso fällt es Euch so schwer Euren Gästen bei solchen Gelegenheiten ein Aha-Erlebnis zu gönnen???

Stattdessen wird 0815-Hausmannskost serviert. Egal ob vegan oder nicht, was aufgetischt wurde, kann ich auch Zuhause. Und muss dazu genauso wenig kochen wie Ihr.

Ich bin mir völlig unsicher, ob Ihr für ein Buffet in dieser Art auch noch irgendein Lob a la „Das hat ja gut geschmeckt!“, erwartet. Zumal Eure Hauptleistung ja lediglich darin bestand, Euch in einer Warteschlange im Supermarkt Eurer Wahl einzureihen und etwas Aufschnitt und Käse zu kaufen.

Dabei ist es doch so leicht, die Gäste zu verblüffen!

Lasst mich einfach mal spontan niederschreiben, was ich mir als Frühstücks-Buffet vorstellen kann:

Fangt an mit Müsli. Fertigmischung(en) oder als DIY-Baukasten (Haferflocken, Sesam, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Amaranth- oder Quinoa-Popcorn, Leinsamen,…). Soja-Joghurt. Eine Auswahl an diversen Pflanzen-Milchgetränken (Sojamilch, Hafermilch, Macadamia-Milch, Mandelmilch); meinetwegen auch in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen wie Vanille oder Schoko.

Daneben eine Platte oder Schüssel mit frisch geschnittenem Obst. Als Beilage, zum so essen oder als Topping für das Müsli (Äpfel, Birnen, Bananen, Melonen, Kiwi, Weintrauben (rot/grün), Orangen, Aprikosen, Nektarinen, Ananas,…).

Meinetwegen packt dann diese Fleischnachbauten oder veganen Käsen als Aufschnittvarianten auf den Tisch. Rundet das Ganze aber gerne mit wirklich leicht herzustellendem Aufstrich ab: Auberginen-, Grünkern-, Rote-Linsen-, Avocado-Aufstriche, Hummus, etc. Alles in wenigen Minuten fertig gemacht.

Ihr dürft auch gerne ein paar Minuten vor dem Backofen investieren und die Brötchen gerne selbst backen. Tobt Euch aus: Von Weißmehl über Vollkornbrötchen ist alles erlaubt. Backfrisch serviert werden Eure Gäste es Euch aus den Händen reißen.

Gerade bei geplanten Feierlichkeiten stehen ja ein paar Tage Vorbereitungszeit zur Verfügung. Nutzt diese einfach zum Heranziehen vom Keimlingen und Sprossen: Alfalfa, Linsen, Bockshornklee, Mungbohnen oder eine der vielen Sprossenmischungen sind eine sehr inspirierende Aufwertung für jedes Frühstück. Als Topping für das belegte Brot/Brötchen oder in Kombination mit Sonnenblumen- oder Kürbiskernen und hochwertigen Pflanzenölen (Lein-, Hanf-, Walnuss-, Argan-Öl) können Keimlinge und Sprossen auch als leckerer Frühstücks-Salat herhalten.

Greift auch gerne aus dem Küchenfenster auf die Fensterbank, um ein paar frische Küchenkräuter anzubieten: Kresse, Schnittlauch, Petersilie & Co werten jedes Buffet gleich schlagartig auf.

Schaut beim Gewürzhändler um die Ecke vorbei und präsentiert Euren Gästen mal eine kleine Vielfalt an verschiedenen Pfeffersorten (Rosa Pfeffer, Szechuan, Kampot, Langer Pfeffer, Zitronenpfeffer, Tasmanischer Pfeffer,…). Macht das gleiche mit Salz (Ursalz, Steinsalz, Meersalz, Himalaya-Salz,…). Schwarzkümmel und Dillsamen dazu gestellt… In kleine Schälchen zum Probieren und selbst würzen hingestellt, werden Eure Gäste diese unübliche Inspiration mit Neugierde probieren.

Ein wenig Naturtofu, Seidentofu, Kurkuma und Kala Namak in die Pfanne gehauen und fertig ist das vegane „Rührei“!. Leckere vegane Kräuterpfannkuchen und meinet wegen auch Bratkartoffeln; fertig ist das herzhafte vegane Bauernfrühstück!

Tomaten, Salat- und Gewürz-Gurken, Radieschen, Karotten, Brokkoli und Kohlrabi als Snack oder „für auf’s Brot“. Den passenden Dip habt Ihr ja bereits durch die oben genannten Aufstriche zur Hand.

Der Durst wird mit frisch gepressten Säften gestillt (Apfel, O-Saft). Natürlich habt Ihr auch die Erlaubnis diverse Smoothies anzubieten. Tobt Euch da gerne bei den Mischungen aus!

Alles nun wirklich nichts Besonderes!

Das, was ich da gerade aufgezählt habe, ist – mal mehr, mal weniger – unser ganz normales veganes Frühstück oder Abendessen. Ich spreche also aus persönlicher Erfahrung, wenn ich behaupte: Das ist leicht, einfach und schnell.

Ich behaupte sogar, dass Ihr einen nennenswerten Teil des oben Geschilderten in der gleichen Zeit fertig stellen könnt, die Ihr im Supermarkt zum Kaufen der fertig abgepackten Wurst und des Käses investiert, bzw. später beim Auspacken und Verteilen auf die Buffet-Platten.

Wahrscheinlich sind die von mir genannten Speisen sogar noch günstiger…?

Inspiriert Eure Gäste doch endlich! Es ist so simpel!

Aber hört bitte endlich auf mit dieser 0815-Hausmannskost!!! Dazu muss ich keinen Gastronom aufsuchen!

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Kommentare

Kommentar von Nina |

Hallo Carsten, du hast es auf den Punkt gebracht! Selbst als anwesender Nicht-Veganer fand ich das Frühstück auch dürftig. Man ist satt geworden -ja, aber es war für einen Brunch nichts Besonderes. Die Reaktion des Gastronom zeigt mir, das er sich nicht wirklich mit dem Thema vegan beschäftigt hat und wahrscheinlich nur den Auftrag wollte! Liebe Grüße

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